Förderverein bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. Arbeitskreise Dortmund, Hattingen und Sprockhövel

Glück Auf!

Am Samstag, dem 12.01.2008, habe ich meinen ersten Arbeitstag unter Tage erleben dürfen.

Das Ergebnis vorab: es war einfach Klasse!

Mühsam und anstrengend zwar, aber das war auch nicht anders zu erwarten. Insgesamt gesehen hat sich mein Weg zur Grube Wittekind jedoch mehr als gelohnt.

 

Als ich beim Förderstollen der Grube ankam, herrschte dort schon reges Treiben. Etliche Helfer waren schon vor mir eingetroffen und gerade dabei, sich umzukleiden.

Wenn man unter Tage arbeiten will, benötigt man schon Einiges, um sich so richtig fein zu machen: Neben schmutzunempfindlicher Kleidung und derbem Schuhwerk benötigt man Schienbeinschützer (damit die Blessuren nicht zu arg werden), Knieschützer (weil man doch zu großen Teilen auf den Knien herumrutscht), ein „Arschleder“ (so kann man sich auch mal hinsetzen, ohne gleich Hämorrhoiden zu bestellen), Handschuhe und natürlich Helm und Kopfleuchte.

 

Die Aufnahme in den Kreis der ehrenamtlichen Helfer war total unkompliziert. Ludwig, Manfred, Horst … und Günter – einer mehr im Team. Wir waren acht Personen. Kein Geschnörkel, keine großen Worte, los ging es.

 

Ludwig hat die Aufgaben verteilt und während ich noch in das Mundloch des Förderstollens hineingehen wollte, machten sich die Anderen zur „Einfahrt“ fertig.

Wir sind dann zwar alle in tief gebückter Haltung nach „unter Tage“ gegangen, aber egal wie diese Fortbewegung erfolgt, der Bergmann spricht halt vom „Einfahren“.

Aha, ich muss mich wohl an ein spezielles Vokabular gewöhnen, nun gut.

Die nächsten Vokabeln waren rasch gelernt: Schutt ist „Berge“ und das Werkzeug das „Gezähe“. Wenn man die Berge dann mit dem Förderwagen aus dem Stollen auf die „Halde“ schiebt und dort ausleert, ist das halt „fördern“.

 

Meine erste Aufgabe bestand darin, gemeinsam mit Manfred am Ende eines toten Stollens Platz für eine Sitzecke zu schaffen. Dort war der Stollen ausreichend breit, um eine Bierzeltgarnitur aufzustellen. Die stand auch schon da, doch beim letzten Arbeitseinsatz, dem „Wald fegen“, sollte es beim „Buttern“ (Essen) Suppe geben. Tisch und Bänke standen jedoch so schief im Stollen, dass die Suppe aus den Tellern geflossen ist. Also sollte zwischen dem „Hangenden“ und dem „Liegenden“ eine kleine Fläche begradigt werden, damit das Suppenproblem nicht wieder auftritt.

 

Den Boden abtragen, nur um dort einen Tisch gerade aufstellen zu können, nein, so etwas geht einfach nicht. Also musste der Boden ausgeglichen werden und das haben wir dann schließlich auch getan.

Und, wo liegt das Problem? Da füllt man hier halt zwanzig Zentimeter auf, macht dort eine Stufe und dahinter füllt man nochmals auf – oder?

Bei der geringen Stollenhöhe ist das dann doch ein Problem, denn am Tisch soll man ja auch noch aufrecht sitzen können.

 

Dass man nur an wenigen Stellen in der gesamten Anlage aufrecht stehen kann, daran hatte ich mich schnell gewöhnt. Beim „Befahren der Strecke“ wird man sonst an jedem „Türstock“ schmerzhaft daran erinnert, dass der Kopf mal wieder zu hoch getragen wurde. Von Mal zu Mal wird es jedoch einfacher und schließlich bückt man sich tief genug.

Anfangs hab ich immer nach vorn geschaut, um mich zu orientieren und dabei geht der Kopf natürlich auch in die Höhe – Tock! - Au!

Gut, dass man hier einen Helm tragen muss.

Später dann schaut man nicht mehr nach vorn, sondern nur noch zu Boden. Der Abstand zwischen dem Mundloch und dem ersten Querschlag sind genau 45 Schritte und dann kann man sich wieder aufrichten. Na ja, wenigsten für drei Meter, dann geht’s erneut gebückt weiter.

Die Orientierung in der Grube selbst war ganz einfach. So Vielfältig sind die Möglichkeiten dort nun auch wieder nicht. Sinneseindrücke erhalten eine ganz andere Qualität. Man hört ganz anders, achtet auf die Geräusche der „Kumpel“, erkennt an diesen Geräuschen, ob am anderen Ende der Grube gegraben, geladen oder gefördert wird.

Wenn du allein bist, hörst du deinen eigenen Atem, deinen eigenen Herzschlag.

Und wenn du dann deine Lampe ausschaltest und es um dich herum stockfinster ist, hörst du Tropfen herabfallen und Fließgeräusche von Rinnsalen, die Richtung „Sengsbank“ fließen.

Es ist feucht im Stollen, weil es über Tage regnet und die Überdeckung nur knapp zwanzig Meter beträgt. Wir kratzen also noch hart an der Oberfläche. Die gesamte Grube wurde ja zu Zeiten ersterschlossen, da für tiefere Arbeiten noch gar keine technischen Mittel zur Verfügung standen. Alles musste vom Bergmann selbst erledigt werden. Der Einsatz technischer Hilfsmittel kam erst später zu tragen.

 

Zur Mittagszeit, beim „Buttern“ wurde dann unsere Plattform, die wir aus Grubenholz gebaut hatten, von allen gewürdigt und bei Käse- und Schinkenbroten, mit Stuten und Tee eingeweiht.

 

Total verdreckt, nass und erschöpft ging dann für mich (sitze auf dem Foto in der Mitte) mein erster Tag als Helfer beim Bergbauhistorischen Verein in und um die Steinkohlenzeche Graf Wittekind zu Ende.

 

Es war für mich ein sehr eindrucksvoller, anstrengender Tag, den ich aber sehr gut ausgehalten habe. Wenn mich der Berg und die Gemeinschaft der Helfer auch ertragen können, will ich gerne wiederkommen und hier häufiger mitarbeiten.

Mal sehn, wie sich die Sache entwickelt.

 

Glück Auf!

 

Günter

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