Förderverein bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. Arbeitskreise Dortmund, Hattingen und Sprockhövel

Geschichte der „Vorzeige-Zeche" Gewerkschaft Barmen:

 

Der nachweisbare Vorgängerbetrieb von Zeche Barmen war die Zeche Vereinigte Adolar:
Im Frühjahr 1897 wurde in Flöz Hauptflöz des Feldes Ver. Adolar ein Wagenberg mittels Handkabel abgeteuft. Die Anlage erhielt den Namen Ver. Adolar, war eine 100teilige preussische Gewerkschaft mit einem anstehenden Kohlenvorkommen von ca. 3 Mill. Tonnen. Die Arbeiten wurden von dem Unternehmer Alex Locher als Mieter für die Familie Buchholz, Witten als Kuxenbesitzer ausgeführt. Das auftretende Wasser wurde zuerst durch einen im Tal am Krüner angesetzten Wasserabflusstollen abgeführt. Für jeden Scheffel Versandkohle musste Locher 2 Pfg. an die Kuxenbesitzer zahlen. Die Kohlen wurden per Achse im Schlage hinauf bis zum Scheideweg und von dort aus zum Hiddinghauser Bahnhof gefahren und umgeladen. Im Herbst 1898 wurde ein Bremsberg bis zur Höhe der Strasse Barmen-Witten angelegt. Gleichzeitig wurde das Abhauen bis zur l. (84 m) Sohle niedergebracht. Diese Arbeiten wurden von dem Betriebsführer Franz Reinhardt für die Besitzerfamilie Wegener, Hagen ausgeführt. Im Winter 1904 ersoff die Anlage und hat bis zum 1. September 1905 still gelegen. Familie Wegener übereignete jetzt den Betrieb der Firma Fieseler & Schultheiss, Mühlheim-Ruhr, verpflichtete sich aber vorher noch die Sümpfungs- und Aufwältigungsarbeiten auszuführen. Diese Arbeiten dauerten ungefähr ein Jahr. Die Firma Fieseler & Schultheiss erweiterte den Wagenberg zu einem Korbberg mit einem Fahrgestell für 2 Wagen. Aus diesem nunmehr bis zur 1. Sohle fertiggestellten tonnenlägigem Schacht wurden die Kohlen mittels Dampfhaspels zur Höhe der Wittener Strasse gezogen und mit einer inzwischen fertiggestellten Schmalspurbahn zum Hiddinghauser Bahnhof transportiert. Im Dezember 1908 wurde die Zeche Ver.Adolar durch eine andere Gesellschaft unter dem Vorsitz von Dr. W. Schmieden und Kommerzienrat Stangen, beide Berlin, ferner Direktor Albrecht Meyer von Zeche Shamrok angekauft.

 

Totale im Bau s 2 (Small)

 

Die benachbarten Grubenfelder wurden sodann hinzuerworben und im Mai des Jahres 1909 bis Ende 1910 wurde ein vertikaler Schacht bis zur 2. (137 m) Sohle abgeteuft.

Gleichzeitig wurden am Tage eine Verladehalle, Separation, Wäsche und Brikettfabrik und ein Kesselhaus gebaut. Die nunmehr unter wie über Tage fertiggestellte Tiefbauanlage wurde am 1. November 1910 in Betrieb genommen und erhielt den Namen Gewerkschaft Barmen.

 

Betriebsgebaude1 1910

 

Die Gewerkschaft Barmen besaß somit den konsolidierten Felderkomplex Glückauf Barmen. Dieser bestand aus den Geviertfeldern Adolar Harmonie und Schawn, Mina, Ellypse und Scheideweg ferner aus den Längenfelder Verborgenglück, Sunderbank, St.Melchior und Gottessegen. Des Weiteren war die Gewerkschaft im Besitz der Kuxenmehrheit des Feldes Ver. Friedrich Wilhelm. Durch die 1910 fertiggestellte Bahnlinie Bossel-Blankenstein, von der ein Anschlussgleis auf den Zechenplatz der Gewerkschaft Barmen führte, war die Zeche nach Norden durch ein 5 km langes Gleis mit der Ruhr, nach Süden auf eine Entfernung von ca. 20 km mit den Industriezentren Elberfeld, Barmen und Hagen verbunden. Die Vorrichtung der Zeche war auf 2 Sohlen vorgenommen worden. Die erste Sohle hatte den Südflügel sämtlicher Flöze erschlossen. Sie besass ca. 350 m Querschläge und 1700 m streichende Sohlenstrecken. Die zweite Sohle hatte beide Flügel erschlossen und besass ca. 520 m Querschläge und ca, 1.500 m streichende Sohlenstrecken. Bei dieser Vorrichtung hoffte man 4-500 t Kohlen täglich zu fördern.  Die erhoffte Steigerung des Effektes auf eine Tonne wurde leider nicht Wahrheit, da durch immer wieder auftretende grössere Störungen der erzielte Effekt nicht nur nicht gehalten werden konnte, sondern darüber hinaus die im Anfang noch vorhanden Reserven an Vorrichtung vollständig aufgezehrt wurden. Von den Gewerken wurde deshalb eine Zubusse von 1 Mill. Mark eingezogen, ausserdem wurde eine Hypothek in Höhe von 300 000 Mk. aufgenommen. Die denkbar ungünstigsten Aufschlüsse verlangten aber immer wieder weitere Zubußen. Bezeichnend für die Schwierigkeit, mit der die Zeche zu kämpfen hatte, ist es vielleicht, dass in den Jahren 1910 - 1917 nicht weniger als 6 Direktoren den Betrieb vorstanden. Am 1.12.1916 übernahm die Lothringen A.G. die Zeche. Am 24.3.1921. gelangte die Zeche Barmen durch reale Feldesteilung der Consolidation Alte Haase als Alte Haase III zum Besitz der Zeche Alte Haase. Die vorhandenen guten Hauptflözpartien waren zum größten Teil abgebaut. Die Aufschlüsse Flöz Wasserbank waren fast immer unbauwürdig. Hinzu kam der sich immer fühlbarer machende allgemeine wirtschaftliche Niedergang. Deshalb wurde die Zeche wegen Erschöpfung auch nur einigermaßen rentabler Kohlenvorkommen am 1. August 1924 stillgelegt. Die noch anstehenden Kohlenmengen betrugen insgesamt noch ca. 758 000 t, davon nur ca. 51 200 t Hauptflöz.

 

Besitz / Berechtsame:
Die Gewerkschaft »Barmen« besaß somit den konsolidierten Felderkomplex »Glückauf Barmen «. Dieser bestand aus den Geviertfeldern Adolar, Harmonie und Schwan, Mina, Ellypsc und Scheideweg, welche zusammen einen Flächenraum von 800 681 qm, also ca. 4 preußischen Maximalfeldern deckten, ferner aus den Längenfeldern Verborgenglück, Sunderbank, St. Melchior und Gottessegen. Des Weiteren war die Gewerkschaft im Besitz der Kuxenmehrheit eines anderen ausgedehnten angrenzenden Feldes, welcher als zukünftige Reserve dienen sollte, sowie von Kuxen weiterer Gewerkschaften, die gleichfalls zur Interessensphäre der Gewerkschaft Barmen gehörten.

 

Lage:
Die Lage des Felderkomplexes Glückauf Barmen ist aus div. Felder- und Übersichtskarten ersichtlich. Die Zeche selbst ist 2 1/2 Kilometer von Sprockhövel, einer Ortschaft, die sich durch den seit Generationen lohnend betriebenen Bergbau und seine marktfähigen Produkte eines guten Namens erfreut hat, gelegen. Von Witten ist die Zeche 10 Kilometer entfernt und durch eine ehemalige Provinzial-Chaussee verbunden.

 

Eisenbahn:
Durch die Bahnlinie Bossel-Blankenstein, von der ein Anschlußgleis auf den Zechenplatz der Gewerkschaft Barmen führt, ist die Zeche nach Norden durch ein 5 Kilometer langes Gleis mit der Ruhr, nach Süden auf eine Entfernung von ca. 20 Kilometern mit den Industriezentren Elberfeld, Barmen und Hagen verbunden.

 

Geschichtliches:
Die Gewerkschaft Barmen ist aus der Zeche Ver. Adolar, einer 1000 teiligen preußischen Gewerkschaft neueren Stils hervorgegangen. Die Gewerkschaft Vereinigte Adolar verfügte über das kleine Grubenfeld Adolar, auf dem sich ein tonnenlägiger Schacht und Tagesanlagen, die für ein Förderquantum von maximal 150 Tonnen Tagesleistung berechnet waren, befanden. Nachdem diese Zeche mit einem anstehenden Kohlenvorrat von 3 000 000 Tonnen im Dezember 1908 angekauft war, wurden die benachbarten Grubenfelder erworben und ein neuer Schacht abgeteuft und Tagesanlagen geschaffen, welche ein Kohlenquantum bis 500 t täglich zu fördern, aufzubereiten und zum Versand zu bringen imstande sind. In der ordentlichen Gewerkenversammlung vom 27. November 1909 wurde die Konsolidation der oben genannten Bergwerke, Geviert- und Längenfelder, sowie die Namensänderung und Einteilung in 1000 Kuxe mit entsprechender Statutenveränderung beschlossen und unter dem 11. Februar 1910 vom Königl. Oberbergamt Dortmund genehmigt. Die Gewerkschaft Barmen hatte ihren Sitz in Hiddinghausen II.  Die Direktion befand sich auf der Zeche, das Vorstandsbureau in Berlin W. 8, Friedrichstraße 72.

 

Flöz-Verhältnisse:
Über die topographischen, stratigraphischen und tektonischen Verhältnisse sowie Quantität und Qualität der Steinkohlenflöze und die Kohlenvorratsberechnung gab ein ausführliches Gutachten des Professor Dr. Krusch, Abteilungsdirigent an der Kgl. Geologischen Landesanstalt und Dozent an der Bergakademie zu Berlin Auskunft, was sich aber in seiner Gesamtheit nicht bewahrheitete. Die Zeche baute auf den liegendsten Flözen der Magerkohlenpartie, also auf den Flözen: Hauptflöz, Wasserbank und Neuflöz. Der Bergbau ging hier auf der Sprockhöveler Mulde um, welche zur großen Wittener Mulde gehört. Die Flöze waren wie sich herausstellte im Gegensatz zu den der Nachbarzechen sehr gestört und Flöz Wasserbank sehr unrein. Die Mächtigkeit betrugt in Flöz Hauptflöz und Wasserbank 0,60 - 0,80 m. In Flöz Neuflöz nur 0,20 - 0,45 m. Die Sprockhöveler Mulde war im Felderbesitz der Zeche Barmen in einer Spezialmulde ausgebildet, welche ca. 250 m unter die Tagesoberfläche einsinken. Eine zweite Mulde, welche Professor Krusch im Felde Schwan annahm, wurde 1911 noch nicht in Angriff genommen. Die mittlere Spezialmulde, in den Feldern Adolar und Harmonie gelegen, ist dem Bergbau bisher erschlossen worden. Die Annahme, das die Flöze wie in den Zechen Johannessegen, Blankenburg, Alte Haase, Deutschland und Trappe in normaler Weise ausgebildet wären, hat sich leider nicht bewahrheitet. Insbesondere das Flöz Wasserbank war in großen Teilen unbauwürdig. Die Mächtigkeit der Flöze wurde wie üblich mit 0,65 bis 1,00 m angenommen, der erschlossene Nordflügel des Hauptflözes erreichte sogar eine reine Kohlenmächtigkeit bis zu 1.40 m. Der Gasgehalt beträgt 12 - 14 %, die Kohle fällt mit einem Stückgehalt von 25- 30 %, ihre Reinheit sollte den Bau einer Wäsche überflüssig machen, was leider nicht der Realität entsprach. Schächte:
Die Zeche besaß 1911 2 Haupt- und mehrere Wetterschächte. Außer dem vorhandenen tonnenlägigen Schacht, der gegenwärtig nur für die Bewetterung dient, ist jetzt ein zweiter vertikaler Schacht ,,Rudolf" vorhanden; derselbe besitzt bei einer lichten Weite von 5.00 m eine vorläufige Teufe von ca. 145 m und ist von oben bis unten ausgemauert.

 

 

Ausrichtung der Grube:
Die Ausrichtung der Grube ist auf 2 Sohlen vorgenommen worden. Die 1. Sohle hat den Südflügel sämtlicher Flöze bei 80 m Teufe erschlossen; sie besitzt ca. 350 m Querschläge und 1700 m streichende Hauptstrecken. Die 2. Sohle auf 135 m Teufe hat beide Flügel erschlossen und besaß 1911 ca. 520m Querschläge und ca. 1500 m streichende Hauptstrecken. Außerdem ist eine Teilsohle mit ca. 90 m Querschlag, der die Flügel des Hauptflözes miteinander verbindet, zwischen der 1. und 2. Sohle auf dem Hauptflöz vorhanden. Insgesamt sind 7 Abbau-Abteilungen fertig vorgerichtet, so daß die vorgesehene Förderung gehalten werden kann und reichliche Reserven vorhanden sind. Der Wasserzufluß betrug 1911 1 3/4 cbm pro Minute und wurde durch eine der vorhandenen Dampfpumpen oder durch eine elektrische Zentrifugalpumpe bewältigt. Der Ausfluss der gehobenen Wasser erfolgt in einen Wasserabflußstollen, der ca. 30 m unter der Hängebank lag. Während die elektrische oder die Dampfpumpe lief, war bei einem Wasserzufluß von 1 1/2 cbm pro Minute eine Reserve von 4 cbm pro Minute vorhanden, so daß im Notfalle 5 1/2 cbm pro Minute gehoben werden konnten. Eine Bewetterung der Grube auf mechanischem Wege war nicht vorhanden und für absehbare Zeit auch nicht erforderlich, da von den Sohlen aus in den einzelnen Abteilungen Überbaue bis an die Tagesoberfläche gehen und durch die Niveaudifferenzen eine selbsttätige Bewetterung in ausreichendem Masse erfolgte. Da Schlagwetter nicht vorhanden waren, wurde bis 1911 noch mit offenen Lampen in der Grube gearbeitet, einer besseren Beleuchtung und größeren Annehmlichkeit wegen wurden indessen Benzinsicherheitslampen eingeführt. Die Grube war wie die Tagesanlage mit allem erforderlichen Zubehör reichlich ausgestattet; so waren insbesondere vorhanden die nötigen Förderwagen, Gleise, Bohrmaschinen, Luftventilatoren, Schrämmaschinen usw.

 

Qualität der Kohle: 

Die von der Gewerkschaft Barmen gewonnene Kohle ist als Eßmagerkohle zu bezeichnen. Sie ist öfters analysiert worden, wobei sich stets ein sehr geringer Aschengehalt (ca. 6%) und ein sehr hoher Heizwert (um 8000 Kalorien) ergeben hat. Aus ihr wird ein erstklassiges Brikett hergestellt, welches die gleichen Eigenschaften der Kohle hat und beim Zerschlagen in größere Stücke zerspringt, ohne daß sich dabei viel Grus bildet.

 

Nachstehend seien die Resultate einiger Analysen von Kohlen und Briketts der Gewerkschaft Barmen angeführt:
Attest des Stadtchemikers von Mülheim (Ruhr), Dr. Ooske, vom 2. Mai 1908,
betr. Kohle:
Wasser . . 0,50 % in lufttrockener Substanz
Gase . . 13,38 %
Koks . . . 86,62 %
Asche . . 5,98 %
Heizwert 8209 Kalorien.

 

Attest desselben vom 24. März 1909, betr. wasserfreie Kohle:
Gase . . . . . . . 10,47 %
Koks . . . . . . . 89,53 %
Asche . . . . . . 6,63 %
Heizwert 7982 Kalorien.

 

Attest der Westfälischen Berggewerkschaftskasse zu Bochum vom 10. Januar 1911
über den Heizwert der Förderkohle.
Es wurden ermittelt 7620 Kalorien.

 

Attest des Chemischen Untersuchungsamtes Witten vom 5. Dezember 1910,
betr. Briketts:
Feuchtigkeit . . . . . . . . 1,25 %
flüchtige Bestandteile . . . . 13,25 %
Asche . . . . . . . . . . . 5,90 %
Verbrennbarer Kohlenstoff . . 77,91%
Heizwert 7599 Kalorien.

 

Attest der Westfälischen Berggewerkschaftskasse zu Bochum vom 14. Dezember 1910,
betr. Briketts:
Koks. . . 84,0 %
Gase. . . 15,0 %
Wasser . . 0,6 %
Asche . . 6,0 %
Heizwert 8020 Kalorien.

 

Attest derselben Berggewerkschaftskasse vom 10. Januar 1911, betr. Briketts:
fester Kohlenstoff . . . 77,9 %
flüchtige Bestandteile . . . . 15,3 %
Asche . . . . . . . . . 6,2 %
Wasser. . . . . . . . . 0,6 %
die Probe enthielt 5,6 % Pech.

 

Tagesanlagen:
Die vorhandenen Tagesanlagen der ehemaligen Zeche Vereinigte Adolar waren für einen modernen und großzügig zugeschnittenen Betrieb nicht geeignet. Infolgedessen wurden die nachgenannten Gebäude und Anlagen unter Benutzung aller Errungenschaften der Neuzeit ausgeführt und in Betrieb genommen. Eine neue Waschkaue für 600 Arbeiter und Beamte nebst Lampenstube und allem sonstigen Zubehör, eine neue Werkstätte, Schmiede und Schreinerei, ferner ein Transformatorengebäude und ein Fördermaschinengebäude, das Schachtgebäude und Fördergerüst, die Fördermaschine, BEAMTENWOHNHAUS, die Verladehalle, Separation, eine Brikettfabrik und ein Kesselhaus waren seit dem November 1910 in Betrieb, ebenso wie die neue elektrisch betriebene Wasserhaltung von 2 cbm Leistungsfähigkeit und der Bahnanschluß nach Blankenstein.

 

Im allgemeinen wurde elektrischer Strom als Antriebskraft und Beleuchtung benutzt, welcher vom Elektrizitätswerk Schwelm, mit dem ein 10 jähriger Vertrag abgeschlossen wurde, geliefert wurde. Nur die neue Fördermaschine, der vorhandene Luftkompressor und einige vorhandene Pumpen sollten mit Dampf betrieben werden. Aus diesem Grunde und zur Heizung der Waschkaue, Bureauräume usw. wurde ein kleineres Kesselhaus mit 4 Kesseln ausgeführt.

 

Die Produktion der Zeche wurde vollständig aufbereitet, es wurden Stückkohlen, 4 verschiedene Nußsorten und Briketts zum Versand gebracht, jedoch wurden Vorkehrungen getroffen, daß nötigenfalls auch Förderkohlen und Feinkohlen abgehen könnten. Die Brikettfabrik war vorläufig mit 2 Couffinhal- Pressen versehen, um zunächst ca. 120 t 3 kg Briketts täglich liefern zu können. Die Anlage war indes derart bemessen und eingerichtet worden, daß später leicht 2 weitere Pressen hätten aufgestellt werden können.

 

Die Bureau- und Magazinräume haben in einem vorhandenen Gebäude, das früher gleichen Zwecken diente und die Waschkaue enthielt, Unterkunft gefunden. Sämtliche Gebäude waren in durchaus solider, moderner Weise ausgeführt, das Schachtgebäude, Fördergerüst, die Verlade- und Separationshalle, die Brücke zwischen dieser und dem Sehachtgebäude, die Nuß- und Feinkohlen-Vorratstürme und die Brikettfabrik waren in Eisenkonstruktion angelegt, die übrigen Gebäude sind zum Teil in massivem Mauerwerk, zum Teil in Fachwerkbau errichtet worden. Sämtliche Anlagen waren mit allem erforderlichen Zubehör ausgestattet, so die Werkstätten mit den nötigen Hilfsmaschinen, der Rangierbahnhof mit Waggonwage, der Zechenplatz mit Gleisen, die Lampenstube mit moderner, explosionssicherer Benzinaufbewahrung usw.
Zur Verbindung der Zeche mit den nächstgelegenen Chausseen wurde ein neuer Weg angelegt, der vom Scheideweg, einem Punkte an der Chaussee Witten Barmen, bis zur Straße Sprockhövel - Hiddinghausen - Haßlinghausen im Pleßbachtal führte.

 

Die elektrische Beleuchtungseinrichtung war bereits seit längerer Zeit in Betrieb, ebenso eine Wasserleitung, die an die Wasserleitung des Kreises Schwelm Anschluß fand. An sonstigen Anlagen waren noch vorhanden: eine Kläranlage für die Grubenwasser, ein Wohnhaus für den Direktor, ein Doppelwohnhaus für den Betriebsführer und Maschinensteiger. Das gesamte Zechenterrain war Eigentum der Gewerkschaft und stellte eine Fläche von 14 Morgen dar. Über die Anordnung der Tagesanlagen gibt beiliegender Lageplan Aufschluß. Dieselben wurden von Herrn Ing. R. Kuhn projektiert, während die Fassaden von Herrn Regierungsbaumeister Erberich aus Köln entworfen wurden.

 

Bis Anfang 1911 wurden die gesamten Neuanlagen beendet, sodaß ein normaler Grubenbetrieb eintreten konnte. Nach Ansicht der Direktion würde sich in absehbarer Zeit die Leistung pro Mann und Schicht auf 1 Tonne einstellen, was sich aber nie realisieren ließ. Während der Bauperiode hat sich das Verhältnis, wie aus der nachstehenden Tabelle ersichtlich ist gestaltet. Es wurden insgesamt an Grubenschichten mit Bedienungsschichten über Tage verfahren:

 

Gesamtschichten / Förderquantum / Leistung pro Mann und Schicht
Oktober 7184 3373 t 0,489 t
November 7239 4529 t 0,685 t
Dezember 7215 5247 t 0,727 t
Januar 7128 5540 t 0,777 t
Februar 7330 5758 t 0,786 t
In den beiden letzten Februarwochen wurde bereits ein Effekt von 0,824 t pro Mann und Schicht erzielt, eine Steigerung konnte aber nachhaltig nicht weiter erzielt werden.

 

Absatz der Produkte:
Infolge der angeblich sehr guten Beschaffenheit der Kohle (Eß-Magerkohle) und des günstigen Nebengesteins sowie infolge der günstigen Lage der Zeche zu den bedeutenden Absatzplätzen Barmen, Elberfeld, Hagen usw. glaubte man die herzustellenden äußerst marktfähigen Produkte leicht und zu lohnenden Preisen absetzen zu können. Besonders die Nüsse würden als bester Haus- und Salonbrand geschätzt, wie auch die Stückkohle und Briketts als bester Qualität anzusehen waren. Dank dem günstigen Nebengestein glaubte man verhältnismäßig wenig Holz zum Ausbau der Strecken und Abbaue nötig zu haben. Infolge der geringen Teufe und der verhältnismäßig kurzen Förderwege, des geringen Wasserzuflusses, des Fortfalls einer künstlichen Bewetterung, ferner infolge der guten Flöz- und Gebirgs- und günstigen Arbeiterverhältnisse glaubte man, würden die Selbstkosten gering bleiben. Die guten Flözverhältnisse Bewahrheiteten sich im Großteil aber nicht wie schon ausgeführt.

Von Vorteil für die Zeche war es ferner, daß sie in der kleinen, wenig bebauten Gemeinde Hiddinghausen II liegt; sie trug also geringe Steuerlasten und auch Klagen wegen Bergschäden, abgesehen von kleinen Beschwerden wegen Wasserentziehung, waren nicht zu erwarten.

Da der Kohlenvorrat der aufgeschlossenen und bekannten Felderteile gemäß dem Gutachten von Herrn Prof. Krusch ca. 3 Millionen Tonnen betragen sollte (mehrere Markscheider des Reviers hätten ein erheblich größeres Quantum berechnet), so berechnete sich die Lebensdauer der Zeche ohne Berücksichtigung der noch unbekannten Feldesteile auf mindestens 25 Jahre bei einer Tagesförderung von 400 t. Unter Berücksichtigung des Kohlenvorrates in den noch unbekannten Feldesteilen und denjenigen Feldern, von denen die Zeche bereits die Mehrzahl der Kuxe besitzt, ist eine erheblich größere Lebensdauer der Anlage mit größter Sicherheit anzunehmen, was sich leider auch nur als plakative Werbebotschaft herausstellte.

 

Finanzielles:
Laut dem Generalversammlungsbeschluß wurden die Einnahmen der Zeche für verkaufte Kohlen bis zum 1. Juli 1911 zugunsten des Zechenausbaufonds gesperrt. Die Bruttoeinnahmen für verkaufte Kohlen haben im Jahre 1909 und 1910 M 548 766,84 ergeben. Im Januar 1911 wurden M 50 170,95, im Februar M 53 000 erzielt. Von den Gewerken wurde eine Zubuße von M 1 000 000,- eingezogen, außerdem wurde eine Hypothek in Höhe von M 300 000, - aufgenommen. Mit den Betriebsüberschüssen des ersten Semesters sollen die Verbindlichkeiten der Gewerkschaft bestritten werden, so daß vorn 1. Juli 1911 ab eine Ausbeute zur Verteilung hätte kommen sollen, was aber nicht geschah.

 

Rentabilität:
Nach Analogie der benachbarten Zechen und unter Berücksichtigung der Flöz-Verhältnisse auf der Gewerkschaft „Barmen" wurde angenommen, daß der Effekt pro Mann und Schicht sich von 0,824 t, die bereits im Februar erreicht wurde, auf annähernd 1 t stellen wird. Erfahrungsgemäß haben die Nachbarzechen, die unter ähnlichen Verhältnissen abbauen, einen durchschnittlichen Reingewinn von M 2,50 erzielt. Dies würde bei einer Förderung von täglich 400 t bei 300 Arbeitstagen einen Reingewinn von M 300 000, - und bei nur M 2,- Nutzen pro Tonne einen Reingewinn von M 240 000, - ausmachen.

Auch diese Aussagen waren, wie auch in heutiger Zeit oft vorzufinden, nicht realitätsnah.     In der Zeit der Nachkriegskohlenkriese gab es noch zwei Kleinzechen auf dem ehemaligen Betriebgelände:

Barmen I und Barmen II

 

Kz Barmen Luftaufnahme 1951-58 (Small)

 

Uwe Peise im Juni 2012

Quellen:
Archivierte Betriebsunterlagen der Gewerkschaft Barmen und Alte Haase im Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrevier e.V. Arbeitskreis Sprockhövel
Archiv der VEW AG, im Umspannwerk Recklinghausen – Museum Strom und Leben
RWE-Archiv in Essen
Stadtarchiv Sprockhövel

 

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